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Presse 2015

Couplet- und Gstanzlsingen20. März 2015

Gehen mit ihren Instrumenten einfach ins Wirtshaus und legen ungefragt los: Das sei der Kick, sagten sie. Denn entweder mögen die Gäste die Musik der Regentag-Musi oder sie werden rausgeschmissen. In Krailling durften sie spielen.

Frech, frei und charmantKurt Zeitlhöfer und die Regentag-Musi begeistern die Kraillinger Volksmusikfreunde mit ihren Gstanzln. Die Wirtshausmusikanten mögen es spontan. Ihr Nervenkitzel wie sie sagen. VON ANNETTE JÄGER Krailling - Eigentlich sind sie ja Guerilla-Musiker. Die Bezeichnung ist Michael Plank von der Regentag-Musi aus dem Münchner Norden gerade eingefallen, als er beschreibt, wie die Volksmusik-Band am liebsten Musik macht: Manchmal gehen sie zu viert in ein Wirtshaus, packen spontan die Instrumente aus und spielen auf. Das ist Nervenkitzel pur, sagt Florian Schmid, Akkordeonspieler. Denn das kann gut ankommen bei den Gästen oder man wird hinausgeworfen - beides ist schon passiert. Öfter aber ist es gut angekommen und dann fahren auch die jungen Leute auf Volksmusik ab. Bei der letzten „Langen Nacht der Musik“ in München haben sie so um drei Uhr morgens sogar die Punks auf dem Gärtnerplatz zum Tanzen animiert. Das war in der Kraillinger Brauerei etwas anders. Die Kraillinger Volksmusikfreunde hatten zum „Couplet- und Gstanzlsingen“ geladen. Das Publikum: eindeutig „Ü60“, also Rentenalter, wie Andreas Lipperer, Coupletsänger der Regentag-Musi analysierte. Also eher die konzertante Version eines Volksmusikabends war gefragt, nicht Guerilla. Aber wenn's gefällt und gewünscht ist, dann können sie auch das. Dass ihre Musik Zunder hat und sie virtuos auf Akkordeon, Gitarre und Tuba unterwegs sind, hat man auch in Krailling schnell vernommen. Und so haben sie gemeinsam mit Kurt Zeitlhöfer, einem niederbayerischen Gstanzlsänger, der ebenfalls geladen war, die traditionelle Wirtshaussingerei zum Leben erweckt. Das Schöne an so einem Abend: Spott ist erlaubt. Denn in Gstanzln, Vierzeilern im Drei - Viertel- Takt, und auch in Couplets darf man sich frech, frei, aber immer charmant, den Schwächen des menschlichen Daseins annehmen. Das lässt sich Lipperer auch zwischen den Liedern nicht entgehen: die gut gefüllten Teller mit gesottenem Tafelspitz, Wurstsalat und Leber „Berliner Art“, die der Kellner in den Saal balanciert, erinnerten ihn doch stark an die währende Fastenzeit. Dazu fällt ihm gleich ein passendes Liederl ein: „Hinten mager und vorn dürr.“ Im Takt klappern die Gabeln und Messer auf den Tellern dazu. Hier und da bekundet ein Tippen mit den Fingerspitzen auf dem weißen Tischtuch Gefallen beim Publikum. Kollege Zeitlhöfer weiß, wie er seine Zuhörer ein wenig kitzeln kann. Das „Ehebarometer“ ist ein garantierter Lacher: Je später der Mann aus dem Wirtshaus nach Hause kommt, desto eisiger die Anzeige auf dem Barometer, singt er frech und froh. Lachen. An Aktualität haben die alten Gstanzln und Couplets nicht verloren, sagt Lipperer in der Pause. Manchmal müsse man sie nur um eine Strophe erweitern oder eine Liedzeile etwas „aufpeppen“ und schon seien sie zeitgemäß. Auch ein bisschen Nostalgie darf sein. Denn, mei, was war die alte Zeit so schön, damals als man noch Wandern sagte, statt Hiking, Trekking und Free Climbing, wie Lipperer bedauert. Oder als man noch „Zipfelhaubn“ trug, wie Zeitlhöfer erinnert. Kurz vor der Pause sind die Teller abgeräumt und dann taut auch das Kraillinger Publikum ein wenig auf. „Was gibt's denn heut aufd Nacht?“, singt Zeitlhöfer und lockt es damit aus der Reserve: „A Rehragout, a Rehragout“, singt es zurück. Na also, geht doch.

Foto: Franz Xaver Fuchs

Süddeutsche Zeitung vom 26.März 2015

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Die Kraillinger Volksmusikfreunde in der Brauerei